Samstag, 9. Juni 2012

I'm great. Das dachte ich eben, einfach so. Ganz ohne Selbstbewusstseinsanfall, einfach aus guter Laune heraus und in platzender Vorfreude auf morgen (ääh, heute), einen weiteren meiner letzten Tage hier in Umeå. Leider mischt sich dazu die mal wieder groß gewordene endlose Traurigkeit alle hier kennengelernten nie wieder zu sehen. Besonders nach einem so wunder, wunderbaren Abend wie diesem! Ich hoffe mehr als je zuvor es einmal in meinem Leben gebacken zu bekommen Kontakte über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten, mindestens bis alle tollen Menschen sich für einen Deutschlandurlaub durchgerungen haben (Klettermöglichkeiten gibt es ganz bestimmt!). Puh, so traurig über meine Abreise war ich wohl nur selten, verzögern lässt sie sich ja doch nicht und insgeheim bin ich auch froh, aber der Verlust eines so großen Teils an neu aufgebauten Bekannt- und Freundschaften, sowie der erst frisch erweckten Schwedenliebe tut durchaus weh. Hope it's better tomorrow...I mean, today. Later.

Donnerstag, 31. Mai 2012

"Wenn es stimmte, dass Hunde über einen sechsten Sinn verfügen, hätte Blondi eigentlich spüren müssen, dass wir Hunde liebten wie nur wenig sonst auf der Welt. Katzen nicht so sehr, das waren Reinkarnationen von Modemiezen, die ihr Fell wie einen Pelzmantel trugen; sie verbrachten die Tage mit Hurerei und Kokettieren und waren treulose Flittchen. Doch Hunde liebten wir. Sehr sogar."

(Dimitri Verhulst - Die Beschissenheit der Dinge)

"Nachts sind alle Städte gespenstisch, finde ich, insbesondere aus der Ferne, sie sind dann wie Passagierdampfer, die für ein Fest erleuchtet sind, das niemals beginnt."

"Ich erinnere mich, dass der morgendliche Sonnenschein einem feinen Nieselregen gewichen war, dass milder Dunst den menschenleeren Senatstorg in einen gogolgrauen Mantel hüllte und große Wassertropfen wie übergewichtige Faultiere in den nackten Bäumen vor der Universitätsbibliothek und im Kajsaniemipark lagen und hingen."

"Auf dem Foto hatte ich bereits meine kräftigen Skrake-Augenbrauen, die bei Erwachsenen gut aussehen, den Skrakekindern jedoch ein animalisches, vage beunruhigendes Aussehen verleihen."

"Vera ergreift nur selten das Wort, und wenn sie es tut, ist sie zurückhaltend, sie trägt einen ihrer großen flusigen Pullover in Schwarz oder Rot oder Grün, und wenn sie etwas sagt, kommt das Gespräch zum Erliegen, denn in ihrem Schweigen hat Vera Zeit zum Nachdenken gehabt, und ihre Einwürfe sind deshalb immer auf die eine oder andere Art desillusionierend. [...] Doch auch Birre kann das Gefühl einer gewissen Überlegenheit Werner und Vera gegenüber nicht verbergen, sie liegt in seiner Stimme und seinen Bewegungen, diese Überlegenheit, und scheint völlig unreflektiert zu sein, so als wäre sie angeboren."

(Kjell Westö - Vom Risiko ein Skrake zu sein)
"ja blog ist wohl auch ne gute form des festhaltens" - ist er. Deshalb möchte ich das Folgende so fest halten wie ich kann:

Und das auch, aber eher so medium fest, wie einen kratzigen Teddy vielleicht:

Dienstag, 29. Mai 2012

"Das Ticket ist zu dick!" hieß es beim einchecken schon.
Ich sagte "Es ist selbstgemacht!" und erntete nur Hohn.
Ich sagte "Da steckt Liebe drin!" - schon kam die Polizei.
Sie packten mich, obwohl ich rief "Ich habe keinen Sprengstoff dabei!"
 
Das ist nur ein dickes Ticket,
das hab ich selbst gemacht.
Das ist nur ein dickes Ticket,
aber sie haben nicht mal gelacht.

"Was soll denn dieser Unfug?" fragte einer streng.
Ich sah ihn an und sagte nichts, aber ich dachte: Peng!
Bin ich vielleicht ein Moslem? Bin ich ein Terrorist?
Ich bin ein ganz normaler deutscher kreativer Christ!
 
Und das ist nur ein dickes Ticket,
Das hab ich selbst gemacht.
Und da habe ich mir ganz bestimmt
nichts Böses bei gedacht.

Ich fahr mit solchen Tickets auch Bus und Eisenbahn.
Es gibt immer Probleme, das treibt mich in den Wahn.
Nie sagt mal jemand "Super! Das ist ja wunderschön.
Das ist ja echt innovativ! Ach, lassen Sie mal sehen!
 
Nee so ein tolles Ticket,
das ist ja eine Pracht!
Echt fett! Und auch noch Bommeln dran
und alles selbstgemacht!"

Stattdessen wird man angeschaut als wäre man verwirrt.
Ich finde viele denken zu profitorientiert!
Alle haben dünne Tickets und fast alle sind bezahlt.
Nur einer hat geknetet, appliziert & gemalt!
 
Das ist nur ein dickes Ticket,
das hab ich selbst gemacht.
Das ist nur ein dickes Ticket,
das hab ich mir ausgedacht.

Das ruiniert doch niemand wenn mein Ticket anders ist.
Was heißt, das könnte jeder - was soll denn dieser Mist?
Als ob das alle könnten! So ein Unsinn, tut mir leid.
Den meisten fehlt die Phantasie und erst recht die Zeit.
 
Denn so ein dickes Ticket
kommt aus ganz anderen Welten,
in denen dicke Tickets
immer und überall gelten.



Sonntag, 27. Mai 2012

Lang ists her. 

Seit ich zum letzten Mal geschrieben habe zum Beispiel, aber auch das ohne Jacke rausgehen. Fühlt sich ungewohnt an, als ob man das Wichtigste vergessen hätte und es bestimmt gleich draußen bemerkt wenn einem die Kälte entgegenschlägt. Tut sie aber nicht mehr, hat sich gebessert, das ins Gesicht schlagen und unter fremde Kleider kriechen aufgegeben und sich zurückgezogen. An diese leere Stelle tritt nun die Sonne und damit das Licht und in Maßen sogar Wärme. Leider hat mich das nicht davor geschützt krank zu werden (was mich im Umkehrschluss aber auch nicht davon abhalten wird heute einige von Sonne begleitete Trinkspiele zu spielen). Ob sich dann das geplante Geburtstags-am-See-rumhängen noch ergibt zeigt sich später. Soeben gab es "schwedische Kartoffeln". Ob sie das wirklich sind werde ich demnächst mal in Erfahrung bringen, aber spektakulärer (und ungesünder) sehen sie wenigstens aus. Gemein ist, dass mein Fenster so ziemlich Richtung Norden ausgerichtet ist, was bedeutet, dass ich die tollste Mittagssonne an faulen Tagen wie diesem nur auftreffend auf die Dinge dort draußen sehe, leider nie in meinem Gesicht. Faszinierend wie viel mal über Sonne, Sonnenstunden, Aufgang und Untergang, Temperaturen und die Blühfortschritte von Bäumen und Blumen nachdenken und schreiben kann. Letztere, die Blühfortschritte, sind in den letzten Tagen allerdings groß. Die zahlreich vorhandenen Birken versprühen bei angemessen viel Wind  ihre Pollen aus den allseits bekannten Birkenpollenwürstchen gar in ganzen Staubwolken. Danke also dafür, dass ich nur eine Sonnen- keine Birkenpollenallergie habe, so bin und bleibe ich wenigstens schwedentauglich. (Und für alle die es interessiert: Dieses Rentierarmband stinkt zur Hölle wenn es nass ist!)


Sonntag, 20. Mai 2012

Wie soll man unter solchen Widrigkeiten nur einschlafen? Leicht seitlich auf dem Bauch liegend, das linke Bein angewinkelt, stört der kalte linke Fuß am warmen rechten Knie, er strahlt Kälte in Umkreis von 30 cm ab - das Kissen unter dem Kopf macht Geräusche, es raschelt auch bei völliger Bewegungslosigkeit leise vor sich hin, nicht einmal Luft anhalten hilft - schließt man dann doch endlich die Augen scheint die 5 cm entfernte Decke doch noch immer zu nah, sie bohrt sich auch in dein geschlossenes Auge und muss weggekrumpelt werden - durch dieses Verändern der Decken (bzw. Schlafsack-) struktur trifft nun aber der eigene Atem auf Widerstand und wird gleichsam wie ein Boomerang zurück in den eigenen Einatembereich befördert...wer will schon frisch ausgeatmete Luft atmen? - kommt man nun etwas zur Ruhe wird man feststellen, dass sich beide Augen auch ohne die die (sowieso nicht vorhandene) Sicht blockierenden Deckenteile scheinbar unabhängig voneinander bewegen, sie verdrehen und verknoten sich, bringen Kopfschmerzen und Sehnervverwurstung und die einzige Strategie dagegen ist ewiges Augen auf, etwas anfokussieren, Augen zu...bis zum wirklich ermüdenden Einschlafen.